Oktober Design

Dominik Dresel



1986 wurde ich in Heidelberg in eine heile Akademikerwelt geboren. Mit zunehmendem Alter und gemachten Erfahrungen wuchs die Neugierde nach all dem, was die Welt außerhalb dieser Bubble noch zu bieten hat. Besonders der Fußball vermittelte mir Zugänge zu anderen Lebensrealitäten. Irgendwie war ich als kleiner Junge Eintracht Frankfurt Fan geworden, die Erfahrung des Stadionbesuchs und die in den Kinderschuhen steckende Subkultur der Ultras faszinierte mich von Klein auf. Ich wurde Teil der Fanszene und wurde in Folge dessen bald mit Problematiken wie “Gruppe – Individuum”, “Subkultur – Gesellschaft” oder auch “Bürger – Staat“ konfrontiert. Dinge, die mich bis heute in meinen künstlerischen Arbeiten beschäftigen. Zunächst studierte ich Politikwissenschaften, bevor ich recht bald zur Psychologie wechselte. Gerade die Sozialpsychologie weckte mein Interesse, sich mit Wahrnehmungsrealitäten, soziologischen Erklärungsmodellen und vor allem mir selbst zu beschäftigen. Da ich die Praxis der Theorie schon immer (gerne – muss nicht dazu) vorzog, entschloss ich, nach 4 Semestern auch das Psychologiestudium abzubrechen, um mich künstlerisch mit meiner Wahrnehmung der Welt auseinanderzusetzen. Mein Medium war seit jeher die Fotografie, wobei ich erst mit dem Studium an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach begann, mein Dasein als Fotograf tiefgründiger zu reflektieren. Mich interessieren nach wie vor die Menschen am Rande der Gesellschaft, Outlaws, Jugendliche, Subkulturen, Chabs die Grenzen suchen, um sich selbst zu definieren. Menschen, die wahrgenommen aber nicht gesehen und indentifiziert werden wollen – die Grenzen der Sichtbarkeit und Vermittelbarkeit.
In meinen Arbeiten versuche ich, genau diese Diffuse optisch darzustellen. Die Fotografie ist dabei nach wie vor ein wichtiges Medium. Ich versuche jedoch zunehmend mit Installationen und der Verwendung von verschiedenster Materialien diese Aspekte greifbar zu machen.

Was steckt hinter der Idee für den Flyer, was hat dich beeinflusst?

Mein Foto zeigt eine Ausstellungssituation meiner Fotografie. In diesem Fall habe ich Fotos von hinten auf eine mattierte Draht-Ornamentglasscheibe (bekannt von der Eingangstür des Blocks deines Vertrauens) von hinten projiziert. Diese Glasscheiben sind so perforiert, dass man schemenhaft erkennen kann was dahinter liegt, dabei jedoch nichts Genaues erkennen kann. Für mich ist das eine schöne Metapher für die Fotografie an sich. Sie gibt eine Ahnung, doch begreifen kann man durch sie doch Nichts.

Beschreibe deine Arbeitsmaterialien.

Warum ich auf Draht-Ornamentglas projiziere, habe ich ja eben schon beschrieben. Ergänzend möchte ich hinzufügen, dass die Glasscheibe im Raum in einem Sockel aus Randsteinen (jene Beton Fertigteile die im Straßenbau die Grenze zwischen Straße und Eigentum markieren) und einem selbst gegossenen Betonsockel steht. Neben der Symbolkraft des Randsteines, finde ich das Material Beton spannend, da dessen Handhabung unser Stadtbild grundlegend prägt. Gerade in Frankfurt fühlt man sich oft wie in einem “Concrete Jungle”. Mich interessiert, wie sich die Existenz und Sichtbarkeit des Materials auf das menschliche Gemüt auswirkt.

Warum machst du das was du machst?

Ich habe meine ersten Fotos schon in frühen Kinderjahren gemacht und fotografiere fast so lange ich denken kann. Schon immer interessierten mich die Widersprüche und Unfassbarkeit der menschlichen Existenz. Fotos halfen mir seit eh und je die Welt mit einer zeitlichen Distanz des Betrachtens reflektiert wahrzunehmen. Ich versuche, den Betrachter zum reflektieren seiner erlernten Betrachtungsweise zu animieren, in der Hoffnung, dabei selbst verständlicher zu werden.

Gibt es ein Erlebnis oder eine Begegnung die dich dazu entschliessen lies Gestalter, Künstler oder das zu werden, was du bist?

Als ich 18 war machte ich mit einem Mädchen wild auf einer Party rum und verliebte mich direkt unsterblich. Leider sah ich sie darauf lange Zeit nicht wieder, und als ich sie wieder sah, hatte sie einen Fotografen als Freund, wie man mir sagte. Ich schaute mir seine Fotos an und musste feststellen, dass seine Fotos, seine Art zu fotografieren, meiner vollkommen überlegen war. Ich fing an, mich für andere Ästhetiken zu interessieren. Ich hatte hierbei auch das Glück, dass besagter Fotograf tatsächlich gut war, immer noch ist und heute an der Kunstakademie in Karlsruhe studiert. Heute freue ich mich, ihn einen Freund nennen zu dürfen. Aus einer gemeinsamen Ausstellung letztes Jahr stammt auch das Bild für den Flyer. Irgendwie ist mir das heute skurril peinlich, aber so war es nun mal.

Was würdest du machen wenn du nicht das machst was du gerade machst?

Entweder Nichts tun oder mich in eine geniale Idee stürzen.

Wie klingen deine Arbeiten?

Dreckig schön.

Haben die von dir illustrierten Dinge Namen oder Bezeichnungen, vielleicht Titel? Wie heissen sie?

Sie haben manchmal Titel, die ich meistens nach kurzer Zeit anfange zu hassen.

Welche Dinge illustrierst du am liebsten?

Den Menschen, Auge in Auge.

Analog oder Digital?

Sowohl als auch. Pinsel oder Rakel? Es kommt auf das Bild an, das gezeigt werden will.

Tag oder Nacht?

Ich mag die Nacht.

Ist jede Illustration ein neues Universum oder kehrst du immer wieder in unterschiedliche Welten zurück?

Jedes Foto mit dem ich zufrieden bin ist ein eigenes; und trotzdem kehre ich gerne in verschiedene Welten zurück. Wichtig ist, seinen Blick zu entwickeln ohne sich zu wiederholen.

Hast du eine Lieblingsfigur aus Comics, Film etc.?

Ich fand Buscape aus City of God ziemlich gut.

Wie sähe deine perfekte Welt aus?

In diesen Zeiten würde ich gerne sehen, was Martin Sonneborn mit der Weltherrschaft machen würde.

Wenn du ein Buch wärst, welches wärst du dann?

Ein Fotobuch.

Wenn du ein Kleidungsstück wärst, welches wärst du dann?

Eine Badehose.

Wenn du ein Drink wärst, welcher Drink wärst du?

Dieser Text enstand mit freundlicher Unterstützung von Apfelwein.

Wo ist dein Lieblingsort?

Der Philosophenweg in Heidelberg.

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